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Rückblick und Ergebnisse der Online-Umfrage:Veranstaltung vom 30.11.2022 zum Thema "Auswirkungen der aktuellen Entwicklungen im Bereich Tierzucht auf die Zukunft der Landwirtschaft"

v.l.n.r.: Prof. Dr. Friedhelm Jäger, Theo Lenzen, Christoph Leiders, oben: Bernhard Conzen, Hans-Peter Katz, Thomas Genfeld
Im Rahmen der Veranstaltung und Vorstellung unserer Umfrageergebnisse wurde deutlich: Viele Konsumentinnen und Konsumenten sind dafür, dass die Erzeuger/-innen in der Landwirtschaft angemessen entschädigt werden sollten.
Datum:
2. Dez. 2022
Von:
Tanja Jünger

Die Politik muss die Landwirte in Zeiten des Wandels unterstützen

Professor Dr. Friedhelm Jaeger, Referatsleiter der Projektgruppe „Nutztierstrategie“ und Ministerialrat für Tierschutz, Tiergesundheit und Tierarzneimittel im MULNV (Ministerium für Umwelt u, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz) der Landes Nordrhein-Westfalen betonte, dass eine finanzielle Unterstützung der Landwirte zu leisten, um deren Überleben zu sichern, auch Aufgabe der Politik sei, damit "wir nicht in zehn oder 15 Jahren das Fleisch importieren müssen“. 

Die Erwartung an die Landwirte sei, dass sie heute flexibel sein müssen, bedarfsorientiert produzieren und gleichzeitig dem Tierwohl entsprechen. Der Wunsch nach einer extensiveren Landwirtschaft der Verbraucher/-innen in der Umfrage müsste für den Landwirt auch die Sicherheit seiner Existenz bedeuten und da brauche es von politischer Seite Unterstützung.

Die Umfrage ergab zudem, dass die meisten der 59 Teilnehmer/-innen sich gegen eine Industrialisierung und Intensivierung der Landwirtschaft, für eine begrenzte Produktion in der Tierhaltung, für „Klasse statt Masse“, ein ausgewogenes Preis-Leistungs-Verhältnis, angemessene Entlohnung der Erzeuger und Aufwandsentschädigung sowie regionale statt globale Produkte, aussprachen und auf Saisonalität achten. 

Thomas Genfeld, Landwirt aus Nettetal, nimmt dementgegen gegenwärtig einen Wandel in der Gesellschaft wahr: Wurde in der Anfangszeit von Corona bewusster eingekauft, so werde vor dem Hintergrund der Inflation und dem Ukraine-Krieg bei den Nahrungsmitteln gespart. Diese Einschätzung teilte auch Christoph Leiders, Biolandwirt vom Stautenhof in Willich-Anrath. Die Nachfrage nach biologisch hergestellen Lebensmitteln, auch dem Schweinefleisch, sei im letzten halben Jahr deutlich gesunken und es bleibe abzuwarten, wie sich die Situation in den nächsten Monaten entwickelt. Die Biovermarktung stecke in einer deutlichen Krise. 

Der Schweinepreis war in den Jahren 2020 und 2021 auf seinem niedrigsten Stand - seit 15 Jahren! Der Verbrauch in Deutschland sei noch am größten, aber rückläufig. 

Theo Lenzen, Tierzuchtberater der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Viersen mbH, unterstrich, dass Nachhaltigkeit und Tierwohl wieder mehr in den Fokus genommen werden müssten. Auch er geht davon aus, dass die landwirtschaftliche Tierhaltung sich verändern und verkleinern wird.

Bernhard Conzen, Präsident Rheinischer Landwirtschafts-Verband (RLV) e. V. und Vorsitzender der Kreisbauernschaft Heinsberg e. V., stellte fest, dass derzeit die Futterkosten und Energiekosten die Landwirte bzw. Erzeuger von Schweinen „auffressen würden“. Ein Umbau in Richtung zu mehr Tierwohl und Nachhaltigkeit könne nur durch die Gesellschaft getragen werden.

Professor Dr. Friedhelm Jaeger ergänzte, dass die Landwirte im internationalen Wettbewerb stehen. Ohne eine staatliche Förderung könnten sie die Kostensteigerungen nicht stemmen. Er sprach an, dass zur Gegenfinanzierung eine Erhöhung der Mehrwertsteuer bei Lebensmitteln von sieben auf 19 Prozent nötig sei. Mehr Tierwohl koste nun einmal auch mehr Geld. Einen guten Weg habe die Expertenkommission unter der Leitung des früheren Bundesagrarministers Jochen Borchert eingeschlagen, die einen Zeitstrahl erarbeitet habe, wie es den Tieren in Stufen besser ergehen soll. Doch leider sei dies seitens der Bundesebene nicht mehr aufgegriffen worden.

„Wenn ich mehr Tierwohl als Gesellschaft will, muss ich bereit sein, einen Gesellschaftsvertrag einzusetzen und Steuergelder nehmen sowie als Konsument mehr zahlen“, bemerkte er noch.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Ihnen für Ihre aktive Teilnahme in der  Albertuskirche in MG sowie den via Zoom zugeschalteten Teilnehmerinnen und Teilnehmern für ihre Fragestellungen an diesem Abend!

Ein herzliches Dankeschön gilt auch unseren Referenten: Prof. Dr. Friedhelm Jäger, Bernhard Conzen, Theo Lenzen, Christoph Leiders und Thomas Genfeld, die durch ihre Beiträge zum Gelingen des Abends beigetragen haben.